Was Menschen hören, wenn wir sprechen
Du möchtest mit deiner Rede, einer Präsentation oder einem Gespräch Bilder und Emotionen bei deinem Gegenüber entstehen lassen? Dann lohnt sich ein genauer Blick auf die Möglichkeiten, die in Sprache stecken.
Lies einmal diese Sätze aus „Ronja Räubertochter“ von Astrid Lindgren:
„Vom Fluß hatten sie gesprochen. Aber erst als sie ihn mit seinen wilden Strudeln tief unter dem Mattisberg hervorschäumen sah, begriff sie, was Flüsse waren. Vom Wald hatten sie gesprochen. Aber erst als sie ihn so dunkel und verwunschen mit all seinen rauschenden Bäumen sah, begriff sie, was Wälder waren.“
Lies die Sätze leise für dich. Lass die Bilder auf dich wirken. Schließ die Augen, wenn du magst.
Was taucht da auf?
- Wie sieht der Fluss aus, der vor deinem inneren Auge entsteht?
- Breit, schmal, grün, weiß, blau?
- Lass auch den Wald erscheinen. Welche Farben siehst du?
- Welche Düfte kommen dir in den Sinn?
- Und hörst du vielleicht sogar Geräusche? Diese Geräusche sind in der Sprache versteckt.
Jetzt lies die Sätze laut: Lass die Bilder auf dich wirken. Schließ die Augen, wenn du magst.
Lass die Bilder, die in dir entstanden sind, in deine Aussprache einfließen. Und horch einmal genau hin, wenn du das Wort „hervorschäumen“ aussprichst. Knete jeden Buchstaben und genieße das „schhhh“. Plötzlich beginnen die wilden Strudel zu klingen. Und welche Klänge kannst du den Worten „Flüsse“ oder „wild“ entlocken?
Was bedeutet für dich „dunkel und verwunschen“? Ist das eher unheimlich oder spannend und aufregend?
Nimm diese Gedanken mit in den Lesevorgang. Mach Pausen. Werde dann ganz plötzlich schneller. Flüstere. Werde laut.
Was entsteht dabei?
Welche Details der Geschichte entdeckst du? Probiere verschiedene Möglichkeiten aus. Die Worte bleiben die gleichen, aber du kannst deine persönliche Version erzählen.
